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Genetik allgemein

PKAN ist eine autosomal rezessive Krankheit. Viele andere Formen der NBIA sind vermutlich ebenfalls autosomal rezessiv. Bei autosomal rezessiven Krankheiten hat der Patient je ein nicht funktionierendes Gen von beiden Eltern erhalten. Jeder Mensch trägt einen vollständigen Satz des genetischen Materials in den Zellen seines Körpers. Die gesamte genetische Information ist in 46 Chromosomen enthalten. Diese bestehen aus 23 Paaren, wobei ein Chromosom jeden Paares von der Mutter kommt und das andere vom Vater. Chromosomen sind sozusagen „Miniatur-Aktenschränke“ für Tausende von Genen, welche die normale Entwicklung und Funktion und somit Gesundheit kontrollieren.

Weil alle unsere Gene paarweise vorhanden sind (eines von der Mutter und eines vom Vater ererbt), besitzen wir normalerweise von jedem Gen zwei funktionierende Kopien. Wenn eine Kopie eines rezessiven Gens eine Veränderung (Mutation) trägt, wird die betroffene Person normalerweise noch gesund sein. Diese Person wird „Träger“ genannt. Rezessive Krankheiten treten nur dann auf, wenn beide Eltern Träger von Mutationen auf demselben Gen sind und jeweils das veränderte (mutierte) Gen an ihr Kind weitergeben. Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 25%, dass zwei Träger ein krankes Kind bekommen; in 50% wird das Kind ebenfalls Träger, aber klinisch gesund sein, und in 25% die beiden gesunden Gene der Eltern erben, also klinisch und genetisch normal sein.

(im Wortlaut entnommen aus der deutschen Übersetzung von „What is Hallervorden-Spatz-Syndrome?“ )



Molekulargenetische Untersuchung (Gentest)

Besteht aufgrund des klinischen Verlaufs ein Verdacht auf NBIA mit oder ohne PKAN, ist eine molekulargenetische Untersuchung sinnvoll. Sie ist in Deutschland an folgenden Instituten möglich:

Gentest auf NBIA und INAD am Institut für Humangenetik der TU München

Die Münchener Forschergruppe, die sich bereits seit Jahren intensiv mit den PANK2-Mutationen bei NBIA befasst, screent im Rahmen eines Forschungsprojektes Patienten-Proben im PLA2G6-Gen. In Frage kommen jetzt auch Patienten, die die klinische (Verdachts-) Diagnose Seitelberger-Erkrankung (Infantile Neuroaxonale Dystrophie = INAD) oder NBIA ohne Mutationen im Gen PANK2 haben.

Betroffene bzw. behandelnde Ärzte wenden sich bitte an das HelmholtzZentrum München:

HelmholtzZentrum München / Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Institut für Humangenetik
Dr. Holger Prokisch
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
Tel. 089 3187-2890

Betroffene mit der Verdachtsdiagnose „Seitelberger“ oder „NBIA“, die sich mit einer Blutspende an dem Projekt beteiligen, bzw. deren behandelnde Ärzte können anschließend beim Institut für Humangenetik das Testergebnis erfragen.

Denjenigen, die in Zukunft die Verdachtsdiagnose „Seitelberger“ oder „NBIA ohne PKAN“ erhalten, erspart der molekulargenetische Test auf PLA2G6 vielleicht die Haut-, Nerven- oder Muskelbiopsie, mit der bislang die für das Krankheitsbild charakteristischen Axon-Schwellungen festgestellt werden.


Ruhr-Universität Bochum - Abteilung für Humangenetik
Prof. Dr. med. J.T. Epplen / z.Hd. Frau G. Rodepeter MA 5/144
44780 Bochum, Tel. 0234/ 32-23839, Fax: 0234/ 32-14196

Ein Begutachtungsauftrag ist abrufbar unter http://mhg.uni-bochum.de

Ein Gentest stellt nicht nur fest, ob überhaupt Mutationen auf dem PANK 2-Gen auf Chromosom 20 zu finden sind, sondern auch, welche dies sind. Aufgrund der Untersuchung von mehr als 120 NBIA-Patienten stellt Frau Dr. Hayflick bereits vorsichtige Verbindungen her zwischen der Art der Mutationen im PANK 2 - Gen und dem voraussichtlichen Krankheitsverlauf. Auch lassen sich aus dem Ergebnis des Gentests möglicherweise erste Schlüsse ziehen über eine Restaktivität des Enzyms Pantothen-Kinase. Diese Kenntnis wiederum gibt vielleicht Hinweise darauf, ob ein Therapieversuch mit Pantothensäure (B 5) Aussichten auf Erfolg haben könnte oder eher nicht.

Außerdem ist NBIA/PKAN insgesamt so wenig erforscht, dass jede Information die Kenntnis darüber erweitert und dazu beitragen kann, dass die Betroffenen vielleicht irgendwann einmal wirksame Hilfe finden oder gar geheilt werden können.

Nach unserem Kenntnisstand übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Gen-Analyse. Sollte es dennoch Probleme geben, dürfte ein Widerspruchsverfahren Aussicht auf Erfolg haben. Wir helfen gerne weiter. Sie können sich in dieser Frage jederzeit an unseren Verein wenden

Magnetresonanztomographie – MRT (T2-gewichtet)

Zeigt sich im Globus pallidus in beiden Gehirnhälften jeweils ein hell leuchtender Fleck, umgeben von einem tief schwarzen Areal, spricht man vom sogenannten „eye-of-the-tiger“ (Tigeraugezeichen). Die hellen Flecken zeigen Signalverstärkungen (hyperdense Areale) an, die dunklen Bereiche Signalminderungen (hypodense Areale). Das Tigerauge gilt inzwischen als eindeutiges Diagnosemerkmal für PKAN, d.h. für den Gendefekt in PANK 2 auf Chromosom 20.
Zeigen sich im gleichen Gehirnbereich nur dunkle Bereiche, also Signalminderungen, deutet dies auf Eisenablagerungen mit bisher unbekannter Ursache hin.
Es ist jedoch möglich, dass das „Tigerauge“ im Frühstadium der Krankheit nicht zu erkennen ist und unklar, ob es zwischendurch oder im weiteren Verlauf vielleicht auch wieder verschwinden kann. Deshalb sollte – auch bei undeutlichem MRT-Befund – eine molekulargenetische Diagnostik (Gentest) stattfinden, ebenso wenn man bei Kindern möglicherweise ein MRT vermeiden möchte, um eine Sedierung zu umgehen.



Differentialdiagnostik (verwandte Erkrankungen)

Die Differentialdiagnostik umfasst insbesondere Erkrankungen mit Auftreten (auch) im Kinder- und Jugendalter, die sich mit extrapyramidalem (+ evtl. dementiellem) Symptomkomplex präsentieren. Hierbei muss man u.a. an folgende Krankheiten denken:

 

  • erbliche Dystonie (Segawa-Syndrom), die man mit L-Dopa gut behandeln kann

  • Morbus Wilson, eine Kupferspeichererkrankung mit neurologischen und schweren Leberfunktionsstörungen, nach Diagnose medikamentös und mit Diät behandelbar

  • Verwechslungen mit der jugendlichen Variante von Chorea Huntington sind möglich

  • Insbesondere bei den etwas später auftretenden Formen von NBIA (atypische PKAN und z.T. NBIA ohne PKAN) kann es bei den Symptomen Überschneidungen mit dem jugendlichen Parkinson-Syndrom geben, wobei Parkinson-Erkrankte i.a. gut auf die entsprechenden Medikamente ansprechen, z.B. L-Dopa, während zumindest PKAN-Patienten meistens keinerlei positive Reaktion auf L-Dopa-Präparate zeigen.

  • Juvenile Neuronale Ceroid Lipofuscinose, bei der sich Ceroid und Lipofuscin im Nervengewebe ansammeln. Sie geht im allgemeinen mit Retinopathia Pigmentosa einher.

  • Acoeruloplasminemie, eine Erbkrankheit, bei der ein Mangel an Coeruloplasmin zu Diabetes, Retinopathia Pigmentosa und neurologischen Symptomen führt.


Ferner gibt es extrem seltene Krankheiten, die möglicherweise engere Verbindungen zu PKAN haben oder mit PKAN identisch sind:

 

  • HARP-Syndrom (Hypoprebetalipoproteinämie, Acanthozytose, Retinopathia Pigmentosa, Pallidale Degeneration) ist PKAN.

  • Das Hayflick-Team hat bei einigen Patienten mit typischer PKAN Acanthozytose (vermehrt rote Blutkörperchen in Stechapfelform), ebenfalls eine Krankheit mit neurologischen Symptomen, festgestellt. Unklar ist bisher, wie häufig Acanthozytose tatsächlich bei PKAN-Patienten auftritt.

  • Seitelberger-Syndrom, bei dem vermutet wird, dass derselbe Genort wie bei PKAN die Krankheit verursachen könnte. Differentialdiagnostik zu NBIA u.a. durch Befunde im Urin.

Netzhautuntersuchung

Es gibt eine Reihe von neurologischen Erkrankungen, die mit Veränderungen an den Augen einhergehen, eine Vielzahl auch mit einer Degeneration der peripheren Netzhaut (= Retinopathia Pigmentosa, RP). Ein guter Augenarzt (Ophthalmologe) kann die RP schon bei einer einfachen Netzhautuntersuchung in seiner Praxis feststellen. Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose und Feststellung des Stadiums der RP sind dann weitere Messungen in einer Augenklinik nötig, z.B. das ERG (= Elektroretinographie). Etwa zwei Drittel der PKAN-Patienten haben Retinopathia Pigmentosa, so dass diese Augenkrankheit in Zusammenhang mit unklaren Bewegungsstörungen im Kindes- und Jugendalter einen wichtigen Hinweis zur Differentialdiagnostik liefert.



aktuell

NBIA / Hallervorden- Spatz-Syndrom

NBIA (HSS) ist eine bislang unheilbare neurologische Erkrankung. Kennzeichnend für alle Formen von NBIA ist eine abnorme Eisenspeicherung im Globus pallidus und in der Substantia nigra. Das sind Teile des Gehirns, die zu den Basalganglien gehören.

NBIA ist die Abkürzung für Neurodegeneration with Brain Iron Accumulation (engl.), also einer Neurodegeneration mit
Eisenspeicherung im Gehirn.

NBIA ist auch als 'Hallervorden-Spatz-Syndrom' (HSS) bekannt.

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