Danke, Angelika und Stephan Klucken – ohne euch wĂŒrde es Hoffnungsbaum e.V. nicht geben

Danke, Angelika und Stephan Klucken – ohne euch wĂŒrde es Hoffnungsbaum e.V. nicht geben

Mit großem Respekt und tiefer Anerkennung bedankt sich das Team von Hoffnungsbaum e. V. bei Angelika und Stephan Klucken fĂŒr ihr langjĂ€hriges aktives Engagement. Seitdem ihr den Verein im Jahr 2002 gegrĂŒndet habt (siehe auch GrĂŒndungsgeschichte), habt ihr mit außergewöhnlicher Leidenschaft und unermĂŒdlichem Einsatz die Erforschung von NBIA maßgeblich vorangetrieben, Betroffenen Trost gespendet und sie unterstĂŒtzt. Was in einem kleinen, bescheidenen Dachzimmer seinen Anfang nahm, hat sich unter eurer FĂŒhrung zu einer international vernetzten Organisation entwickelt. Ein besonderer Lichtblick war  die Beteiligung am internationalen Forschungsprojekt TIRCON, das heute die Grundlage fĂŒr viele nachfolgende Entwicklungen bildet.

Angelika und Stephan Klucken, GrĂŒndungsehepaar von Hoffnungsbaum e.V.

Heute ist der Verein eine unverzichtbare Quelle der Hoffnung, des Fachwissens und der UnterstĂŒtzung fĂŒr viele Betroffene und deren Familien. Über fast zwei Jahrzehnte hinweg habt ihr nicht nur entscheidende Impulse fĂŒr die Wissenschaft gesetzt, sondern auch eine Gemeinschaft geformt, die durch Zusammenhalt und Zuversicht geprĂ€gt ist. Ein Highlight waren die acht NBIA-Familienkonferenzen, mit welchen ihr Betroffene und Forschende zusammen gebracht habt. Euer Wirken hat bleibende Spuren hinterlassen.

Bereits vor fĂŒnf Jahren, im Jahr 2021, habt ihr den Stab vertrauensvoll an eine neue Generation ĂŒbergeben, dem neuen Vorstand jedoch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite gestanden und Projekte vorangetrieben. DafĂŒr sind wir sehr dankbar.

Wir bedauern sehr, dass ihr euch inzwischen aus der aktiven Vereinsarbeit komplett zurĂŒckziehen musstet. Wir respektieren diese Entscheidung vollumfĂ€nglich und wĂŒnschen euch von Herzen viel Kraft, Ruhe und die bestmögliche Gesundheit fĂŒr die kommende Zeit. Ihr wart uns stets inspirierende Vorbilder.

Es ist uns als nachfolgende Generation eine Ehre und zugleich eine Verpflichtung, euer Lebenswerk auf dem von euch geschaffenen, soliden Fundament weiterzufĂŒhren. FĂŒr alles, was ihr aufgebaut habt, sagen wir: Vielen, vielen Dank!

Mit tief empfundener Anerkennung und den besten WĂŒnschen
Der Vorstand & das Hoffnungsbaum-Team

PKAN Online-Treffen am 25.09.2024 – jetzt anmelden!

PKAN Online-Treffen am 25.09.2024 – jetzt anmelden!

Liebe Familien,

der Austausch unter Betroffenen bzw. deren Familien kann unglaublich wertvoll sein. Mit der Zeit sammeln Betroffene ein enormes Wissen an, von dem auch andere profitieren könnten. Daher hat Hoffnungsbaum ein neues Format ins Leben gerufen, das Betroffene und ihre Familien zusammenbringt.

Wir bieten an, dass sich pflegende Angehörige und betroffene Familien zu einem virtuellen Treffen zusammenfinden, kennenlernen und von ihren Erfahrungen erzÀhlen. Hier stehen also die Menschen im Mittelpunkt, die sich tÀglich den Herausforderungen stellen. Verarbeiten Sie eine neue Diagnose oder managen Sie den Alltag mit NBIA? Alle können hier ihre Sichtweisen schildern und hilfreiche Tipps vermitteln. Damit alle Teilnehmenden von den GesprÀchen profitieren, werden sich diese Treffen jeweils auf eine NBIA-Erkrankung beschrÀnken. In unserem nÀchsten Online-Treffen geht es um PKAN.

Wir haben dafĂŒr Mittwoch, den 25.09.2024 ab 20 Uhr reserviert und gehen von einer Dauer von 60 Minuten aus. Das virtuelle Treffen wird per Zoom stattfinden. Mitglieder des Vorstands von Hoffnungsbaum werden das Treffen moderierend unterstĂŒtzen, aber auch selbst als Betroffene mitdiskutieren.

Bitte beachten Sie, dass wir eine vertrauensvolle Umgebung anbieten möchten. Deswegen zeichnen wir das Treffen natĂŒrlich nicht auf. Mit einer Teilnahme verpflichten Sie sich, die GesprĂ€che vertraulich zu behandeln.

Online-Treffen fĂŒr PKAN-Familien
25.09.2024
20 Uhr, Dauer ca. 60 min

Bitte melden Sie sich bis zum 25.09.24, 12 Uhr unter folgendem Link an. Den Konferenz-Link zur Teilnahme verschicken wir dann spÀtestens bis 18 Uhr am selben Tag.

https://cloud.hoffnungsbaum.de/apps/forms/s/H7pjM4Dtyfy565LWeeeJHPck

Treffen zu den anderen NBIA-Erkrankungen werden folgen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Viele GrĂŒĂŸe
Ihr Hoffnungsbaum-Team

 

 

RĂŒcktrittsforderungen zeigen Wirkung – KV-Chef Heckemann wird abgesetzt

RĂŒcktrittsforderungen zeigen Wirkung – KV-Chef Heckemann wird abgesetzt

Achse

In einem offenen Brief hatte unser Dachverband, die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e.V., die Absetzung von Klaus Heckemann, dem bis dahin Vorstandsvorsitzenden der KassenĂ€rztlichen Vereinigung in Sachsen nach dessen umstrittenen Äußerungen zu einer „Eugenik in ihrem besten und humansten Sinne“ gefordert. Hoffnungsbaum e.V. unterstĂŒtzte diese Forderungen in den sozialen Medien, wie auch viele weitere Organisationen und Personen. Die Empörung zeigte Wirkung und Heckemann wurde abgewĂ€hlt: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/kv-chef-verliert-amt-heckemann-humangenetik-eugenik-100.html

In der Berichterstattung wurde das Thema meist auf Heckemanns Wortwahl reduziert. Der offene Brief der Achse zeigt aber weitere Aspekte auf, warum Heckemanns Zukunftsvision fĂŒr uns inakzeptabel ist:

Stellungnahme ACHSE an die KV Sachsen

Stellungnahme zum Editorial der KVS-Mitteilungen 05-06/2024 von Dr. Klaus Heckemann – Offener Brief der ACHSE an die Mitglieder der KV Sachsen vom 22.08.2024

Wir fordern die sofortige Abberufung von Dr. Klaus Heckemann aus dem Amt als Vorstandsvorsitzendem Ihrer KV.

Im Editorial der KVS-Mitteilungen 05-06/2024 hat Herr Dr. Heckemann in seiner Funktion als Vorsitzender Ihrer KV die BefĂŒrchtung geĂ€ußert, dass die in den letzten Jahren erlangten Fortschritte in der genetischen Diagnostik bei gleichzeitiger Reduzierung der Kosten zu einem Anstieg an humangenetischen Untersuchungen bei schweren erblichen Krankheiten fĂŒhren und damit die gesetzlichen Krankenkassen finanziell ĂŒberfordern könnten – auch weil diagnostizierte Patientinnen und Patienten auf diesem Wege Zugang zu geeigneten, ggf. hochpreisigen Therapien, wie Gentherapien, erlangen könnten. Er fordert eine strenge Indikationsstellung, Mitverantwortung der Ärzte, die die genetischen Untersuchungen vornehmen, Transparenz bei der Leistungserbringung. Damit die Kosten der Mutationssuche „drastisch reduziert“ werden können, beschreibt er eine Zukunftsvision, in der Frauen mit Kinderwunsch eine „komplette Mutationssuche nach allen autosomal-rezessiven vererbbaren schweren Erkrankungen“ angeboten wird. Liege bei beiden Elternteilen ein positives Ergebnis vor, könne mit der sich anschließenden In-Vitro-Fertilisation und PrĂ€implantationsdiagnostik das „Risiko der Geburt eines schwerstkranken Kindes ausgeschlossen werden“. Auf diesem Weg, den er als „Eugenik in ihrem besten und humansten Sinne“ bezeichnet, solle zum einen den Betroffenen Leid, eingeschrĂ€nkte Lebenszeit und LebensqualitĂ€t, zum anderen der GKV Kosten erspart werden.

Wir, die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e.V., vertreten als Dachorganisation gemeinsam mit unseren Mitgliedern, den ĂŒber 140 krankheitsspezifischen Patientenorganisationen, die Interessen der Betroffenen mit chronischen seltenen Erkrankungen unterschiedlichen Alters. Die meisten dieser in der Regel schweren Erkrankungen haben eine genetische Ursache.
Vor dem Hintergrund der NS-Verbrechen an Menschen mit Behinderungen und kranken Menschen sind diese Äußerungen, die einer „Eugenik von oben“ das Wort reden, insbesondere geĂ€ußert in seiner Funktion als Vorsitzender der KV Sachsen, mehr als untragbar und auf die schmerzlichste Weise mit der Ă€rztlichen Ethik unvereinbar. Auch haben der Vorsitzende persönlich sowie die KV Sachsen als Ă€rztliche Institution die Regelungen der Deklaration von Genf des WeltĂ€rztebundes einzuhalten. Diese besagt unter anderem: „Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.“

Wir als Gesellschaft verantworten die Rahmenbedingungen, die darĂŒber entscheiden, was die LebensqualitĂ€t aller unserer Mitmenschen, auch mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, ausmacht. Wir betrachten es als Aufgabe der KassenĂ€rztlichen Vereinigungen und der entsprechenden medizinischen FachverbĂ€nde, ihre niedergelassenen Mitglieder in die Lage zu versetzen, zum richtigen Zeitpunkt die Indikation fĂŒr eine genetische Diagnostik stellen zu können und dann die Patientinnen und Patienten den passenden Einrichtungen zur DurchfĂŒhrung der Diagnostik zuzufĂŒhren. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Medizinische Dienst Bund aufgefĂŒhrt, der fĂŒr seine Gutachterinnen und Gutachter seit einigen Jahren ein mehrtĂ€tiges Genetikseminar als Fortbildungsmaßnahme eingefĂŒhrt hat.

DarĂŒber hinaus wĂ€re viel gewonnen, wenn die Kolleginnen und Kollegen in der Niederlassung das Angebot der 37 universitĂ€ren Zentren fĂŒr Seltene Erkrankungen, sich auch Patientinnen und Patienten mit noch unklarer Diagnose annehmen, wahrnehmen und nutzen wĂŒrden. Leider hat auch nach zahlreichen Awarenessmaßnahmen eine ernĂŒchternde Zahl von Ärztinnen und Ärzten immer noch keine Kenntnis ĂŒber die Angebote und Aufgaben dieser Zentren fĂŒr Seltene Erkrankungen, wie die aktuelle Erhebung des BMG aus 2023 belegt . Dies ist mit der wichtigen Rolle von PrimĂ€rversorgern aus unserer Sicht nicht vereinbar.
Eltern haben heute schon die Möglichkeit, prĂ€natale Diagnostik in Anspruch zu nehmen und sich im Rahmen einer genetischen Beratung darĂŒber zu informieren, ob bei ihrem Kind eine krankheitsrelevante genetische VerĂ€nderung vorliegt und welche Auswirkungen diese hat – und daraus dann SchlĂŒsse/Handlungen abzuleiten.

Herr Dr. Heckemann maßt sich an, ĂŒber die LebensqualitĂ€t von Betroffenen von schweren genetischen Erkrankungen zu urteilen und sich darĂŒber zu erheben. Von unseren Mitgliedern wissen wir: Es sind nicht per se die mit den Erkrankungen einhergehenden körperlichen Beschwerden, EinschrĂ€nkungen und Behinderungen, die das Leid fĂŒr die Patientinnen und Patienten und ihre Familien ausmachen und ihre LebensqualitĂ€t einschrĂ€nken. Es sind nicht zuletzt Artikel wie der von Dr. Heckemann, die neben ökonomischen ZwĂ€ngen und den andauernden, zermĂŒrbenden KĂ€mpfen darum, gesetzliche AnsprĂŒche in unserem komplexen Gesundheitssystem geltend zu machen und berechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erlangen, die die Betroffenen als unwĂŒrdig und degradierend empfinden.

Wir halten die zitierte breit angelegte Mutationssuche fĂŒr falsch. Bei einer solchen wĂŒrden Mutationen nicht, wie beschrieben, in AusnahmefĂ€llen, sondern regelhaft gefunden werden, weil jeder Mensch solche klinisch unauffĂ€lligen Anlagen fĂŒr schwere rezessive Erbkrankheiten in sich trĂ€gt! Dies hĂ€tte eine große Verunsicherung bei den Betroffenen zur Folge. Daraus wĂŒrden ein enormer Beratungsbedarf und Kosten resultieren. Die Frage, wie eine „schwere“ Erkrankung zu definieren wĂ€re, bleibt dabei ungelöst.

Die immensen Kosten der vorgeschlagenen In-Vitro-Fertilisation und PrĂ€implantationsdiagnostik (PID) werden genauso wenig diskutiert, wie deren fragliche Erfolgsrate und die damit einhergehenden leidvollen psychischen Belastungen fĂŒr die Eltern.

Was uns jenseits dieser kolossalen FehleinschĂ€tzung aber besonders betroffen macht, ist die Vision Ihres Vorsitzenden, dass die breite Anwendung der genetischen Diagnostik „Eugenik in ihrem besten und humansten Sinn“ sei. Dieser Begriff stammt aus der pseudowissenschaftlichen Rhetorik des letzten und vorletzten Jahrhunderts und hat in einer modernen Medizin nichts zu suchen.

Es ist den besonderen Fortschritten und technischen Entwicklungen in der human-genetischen Diagnostik zu verdanken, dass die mit einer Seltenen Erkrankung oft einhergehende und teilweise jahrelang andauernde Phase der „unklaren Diagnose“ entscheidend verkĂŒrzt wird. Patientinnen und Patienten mĂŒssen so nicht mehr die große Unsicherheit, Verzweiflung, zahlreichen Arztbesuche, Fehldiagnosen und -therapien erleiden, und sie können frĂŒher von geeigneten therapeutischen Maßnahmen profitieren. FĂŒr die ca. 8.000 Seltenen Erkrankungen gibt es bisher nur 150 sog. Orphan Drugs, also krankheitsspezifische Medikamente. Auch hierbei profitieren Betroffene von neuen Entwicklungen, wie Gen- und Zelltherapien, die zweifellos hochpreisig sind. Dies tun aber auch die weitaus zahlreicheren Patientinnen und Patienten mit hĂ€ufigen genetischen Tumorerkrankungen, denen im Zuge von personalisierter Medizin elaborierte Therapien zuteilwerden.

Dem Wirtschaftlichkeitsgebot der GKV entsprechend erfolgt die Indikationsstellung zur AbklĂ€rung einer Seltenen Erkrankung oder einer unklaren Diagnose mit Verdacht auf eine Seltene Erkrankung an den in die universitĂ€ren Zentren fĂŒr Seltene Erkrankungen eingebundenen Humangenetischen Instituten seit 2021 nach einem mit vielen Krankenkassen abgestimmten strikten und bereits bewĂ€hrten strukturierten Patientenpfad, im Rahmen interdisziplinĂ€rer Fallbesprechungen. Dieser wird auch im Modellvorhaben §64 e SGB V zukĂŒnftig so fortgefĂŒhrt.

Aus den vorgenannten GrĂŒnden halten wir Herrn Dr. Heckemann fĂŒr nicht tragbar im Amt des Vorsitzenden der KassenĂ€rztlichen Vereinigung Sachsen. Er sollte unverzĂŒglich abberufen werden oder zurĂŒcktreten.

Berlin, 22.08.2024

Der Brief ist gezeichnet von Geske Wehr, ACHSE Vorsitzende sowie Dr. Christine Mundlos, stellvertretende GeschĂ€ftsfĂŒhrerin, ACHSE Lotsin und Leiterin ACHSE Wissensnetzwerk und Beratung.

 

Quellennachweis:

[1]https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Themen/Internationales/Bundesaerztekammer_Deklaration_von_Genf_04.pdf

[1]https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Berichte/seltene_erkrankungen_bf.pdf

Original: https://www.achse-online.de/de/was_tut_ACHSE/stellungnahmen/Stellungnahme-ACHSE-an-die-KV-Sachsen.php

Globale Zusammenarbeit fĂŒhrt zu Fortschritten in der MPAN-Forschung

Globale Zusammenarbeit fĂŒhrt zu Fortschritten in der MPAN-Forschung

Im November 2022 vergab Hoffnungsbaum e.V. zusammen mit den Schwesterorganisationen NBIA Disorders Association (NBIA DA) in den USA, Associazione Italiana Sindromi Neurodegenerative da Accumulo di Ferro (AISNAF) in Italien und Stichting Ijzersterk in den Niederlanden zwei Stipendien zur Erforschung der Mitochondrien-Membranprotein-assoziierten Neurodegeneration (MPAN) in Höhe von jeweils 70.000 US-Dollar (https://www.hoffnungsbaum.de/zwei-mpan-projektfoerderungen-vergeben/). Diese einjĂ€hrigen ZuschĂŒsse wurden auf der Grundlage von PrioritĂ€ten vergeben, die wĂ€hrend eines MPAN-Workshops festgelegt wurden, der Teil einer MPAN-Forschungslandschaftsanalyse war, welche ebenfalls von denselben Organisationen finanziert wurde.

Prof. Lena Burbulla
Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen
MĂŒnchen, Deutschland

Prof. Lena Burbulla von der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen und Dr. Rajnish Bharadwaj vom Medical Center der University of Rochester in New Jersey, haben kĂŒrzlich ihre Forschungsarbeiten im Rahmen dieser Förderung abgeschlossen und berichten beide ĂŒber vielversprechende Ergebnisse.

Burbullas Forschung umfasste die Modellierung von MPAN auf Zellebene, um neue zugrundeliegende Mechanismen zu entdecken, die die Pathologie bei MPAN bestimmen. Zu diesem Zweck verwendete ihr Labor induzierte pluripotente Stammzellen (iPSC), die aus den Hautzellen von MPAN-Patienten gewonnen wurden.

Die Gehirne von MPAN-Patienten weisen einen massiven Verlust von Nervenzellen in bestimmten Regionen auf, vor allem in einer Region des Mittelhirns, der Substantia Nigra. Hier ist der Verlust von Zellen, die den Neurotransmitter Dopamin produzieren, betrĂ€chtlich, und es wird vermutet, dass dieser fĂŒr die große Mehrheit der klinischen Symptome verantwortlich ist. Daher verwendete Burbullas Team Stammzellen von MPAN-Patienten und wandelte sie in mittelhirnspezifische dopaminerge Nervenzellen um, also die Art von Zellen, die im Gehirn von MPAN-Betroffenen degenerieren, um Mechanismen zu identifizieren, die speziell diesen anfĂ€lligen Zelltyp betreffen.

Sie waren in der Lage, wichtige Aspekte der Krankheitspathologie in den Gehirnen von Patienten zu rekapitulieren, was die von Patienten stammenden dopaminergen Nervenzellen in der Petrischale zu einem wertvollen Modell fĂŒr die Untersuchung krankheitsspezifischer PhĂ€notypen macht.

Sie beobachteten auch eine AnhĂ€ufung von Alpha-Synuclein, einem prĂ€synaptischen Protein, von dem bekannt ist, dass es sich in den Gehirnen von MPAN-Patienten ansammelt, was ein Merkmal fĂŒr Eisenfehlregulierung, welche letztlich zu einer Eisenansammlung fĂŒhrt, ist. Sie stellten außerdem axonale Schwellungen fest, welche auch in postmortalen Gehirnbiopsien beobachtet wurden.

Weitere, davon unabhĂ€ngige Proteinanalysen ergaben, dass einige mitochondriale SchlĂŒsselproteine dysreguliert und mehrere Proteine, die mit NeurotoxizitĂ€t und der Aktivierung der Immunantwort des Gehirns in Zusammenhang stehen, verstĂ€rkt sind. Diese einzigartige Proteinsignatur könnte einen ersten Einblick geben, warum dopaminerge Nervenzellen im Gehirn von Patienten besonders anfĂ€llig sind und degenerieren.

Burbulla erklĂ€rt, dass einer der vielversprechendsten Vorteile menschlicher iPSCs ihre Eignung als patientenspezifisches Krankheitsmodell ist, das die Möglichkeit bietet, tiefere Einblicke in Krankheitsmechanismen und -verlĂ€ufe zu gewinnen. In dieser Studie konnten sie zeigen, dass aus iPSC gewonnene Nervenzellen von MPAN-Patienten Aspekte der menschlichen Krankheitspathologie wiedergeben und daher als wertvolles Modell fĂŒr ein besseres VerstĂ€ndnis der krankheitsspezifischen Mechanismen dienen.

Burbulla plant die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse und hofft, weitere Studien mit von Patienten abgeleiteten Krankheitsmodellen durchfĂŒhren zu können, in der Hoffnung, neue therapeutische AnsĂ€tze zur BekĂ€mpfung von MPAN zu finden.

Dr. Rajnish Bharadwaj
University of Rochester Medical Center
Rochester, New Jersey

Bharadwajs Forschung verwendete Fruchtfliegenmodelle, die ein Gen namens Nazo tragen, dessen menschliche Entschprechung C19orf12 ist, welches beim Menschen fĂŒr MPAN verantwortlich ist. Anhand dieser Fruchtfliegen konnte Bharadwaj zeigen, dass das Nazo-Protein fĂŒr die Aufrechterhaltung von Lipidtröpfchen erforderlich ist, die Speicherstellen fĂŒr Triglyceride (Fett) sind. Fehlt es, sind Proteine, die an der EindĂ€mmung der Fettverwertung (durch Lipolyse) beteiligt sind, vermindert. Der Verlust des Nazo-Gens hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensspanne und die Gesundheit der Fliege.

Bharadwaj arbeitet an einem tieferen VerstÀndnis der VerÀnderungen in den Lipidtropfen bei Fliegen, denen das Nazo-Gen fehlt. Interessanterweise ist das menschliche C19orf12-Protein im Fettgewebe stark angereichert. Die Ergebnisse von Bharadwaj deuten darauf hin, dass Lipidanomalien zur Neurodegeneration beim Menschen beitragen können.

Bharadwaj hat bereits eine Arbeit ĂŒber seine Ergebnisse veröffentlicht, die hier zu finden ist: https://journals.plos.org/plosgenetics/article?id=10.1371/journal.pgen.1011137

Er plant, die mit diesem Stipendium gesammelten Daten zu nutzen, um Forschungsgelder bei den National Institutes of Health (NIH) fĂŒr die FortfĂŒhrung der Arbeit zu erhalten. Es ist zu hoffen, dass diese Studie die Grundlage fĂŒr kĂŒnftige Untersuchungen zur Rolle des menschlichen C19orf12-Proteins bei NBIA bildet.

Hoffnungsbaum e.V. setzt sich gemeinsam mit ihren internationalen Partnern der NBIA-Allianz weiterhin dafĂŒr ein, die Forschung voranzutreiben, die uns dem VerstĂ€ndnis und letztlich der Heilung von MPAN nĂ€her bringt. Wir feiern diese Fortschritte von Burbulla und Bharadwaj und freuen uns auf weitere DurchbrĂŒche, die das Leben der von NBIA-Erkrankungen Betroffenen verbessern werden.

 

Angepasste Übersetzung eines Artikels von Patricia Wood aus dem Newsletter der NBIA Disorders Association vom Juli 2024
https://nbiadisorders.org/news-events/nbia-newsletters/

 

BPAN-Forscher entwickelt Stammzellmodell und wartet auf Finanzierung fĂŒr geplantes Medikamentenscreening

BPAN-Forscher entwickelt Stammzellmodell und wartet auf Finanzierung fĂŒr geplantes Medikamentenscreening

Dr. Paul Lockhart vom Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne, Australien, sagt, dass seine BPAN-Forschung zwar ein wichtiges „Gehirnzellen“-Modell unter Verwendung von Stammzellen betroffener BPAN-Personen entwickelt hat, sein nĂ€chster Schritt – das Screening (systematische Reihentests) von Medikamenten fĂŒr die Behandlung – aber noch auf eine ausreichende Finanzierung wartet.

Dr. Paul Lockhart

Lockhart erhielt im Februar 2020 60.561 Dollar aus dem Förderprogramm „2019 Million Dollar Bike Ride“ (MDBR), das US-Familien unterstĂŒtzt haben. Er plante, das Arzneimittelscreening nach seinen ersten Erkenntnissen durchzufĂŒhren, aber die Pandemie fĂŒhrte zu Personalknappheit und viel höheren Kosten fĂŒr das Arzneimittelscreening als erwartet. Infolgedessen hat er in diesem FrĂŒhjahr 25.814 Dollar an nicht ausgegebenen Mitteln zurĂŒckgegeben. Dieses Geld wurde zu den diesjĂ€hrigen Spenden fĂŒr das von der University of Pennsylvania gesponserte MDBR hinzugefĂŒgt und wird nun zur Finanzierung von zwei BPAN-Forschungsstipendien in Höhe von 60.000 Dollar im Rahmen der aktuellen Ausschreibung beitragen.

Lockhart sagt, dass das Modell, das er mit Stammzellen von BPAN-Patienten entwickelt hat, dazu dienen wird, 3.000 von der Food and Drug Administration (FDA) zugelassene Substanzen auf der Suche nach einer BPAN-Behandlung zu untersuchen. Der Screening-Prozess wird eine mehrjÀhrige Finanzierung erfordern, um Medikamente zu identifizieren, die die normale Zellfunktion, die so genannte Autophagie, wiederherstellen können, d. h. den Abbau und das Recycling in geschÀdigten Zellen.

Lockharts Projekt trug den Titel „Entwicklung neuartiger menschlicher Stammzellmodelle von BPAN fĂŒr die Krankheitsmodellierung und das Arzneimittelscreening“ und war Teil eines grĂ¶ĂŸeren Projekts, das die erste Forschung zu BPAN in Australien war. Es wurde 2019 durch eine anonyme Spende in Höhe von 200 000 Dollar zu Ehren von Angus Hunter ermöglicht, der an BPAN leidet. Die Hunters leben in Melbourne und setzen sich aktiv dafĂŒr ein, das Bewusstsein fĂŒr BPAN zu schĂ€rfen und Mittel fĂŒr die BPAN-Forschung bereitzustellen.

Lockharts Team verwendete Hautzellen von sechs betroffenen Kindern. Diese Proben wurden in induzierte pluripotente Stammzellen (iPSC) umgewandelt, die dann in fast jede Art von menschlichen Zellen umgewandelt werden können.

Das Team verÀnderte das Gen, um eine identische, passende (isogene) iPSC zu erzeugen, die die genetische VerÀnderung, die BPAN verursacht, korrigiert. Die Forscher wandelten diese identischen Paare in einer Laborschale in Gehirnzellen um und analysierten sie, um festzustellen, welche Auswirkungen die genetische VerÀnderung auf die Zellstruktur und -funktion hatte. Diese biochemischen Studien untersuchten, wie gut der Autophagie-Prozess in den mutierten Zellen funktionierte.

Lockhart, der auf der Familienkonferenz der NBIA Disorders Association 2021 ĂŒber diese Arbeit sprach, sagte, dass aus den iPSC eine Methode zur erfolgreichen Erzeugung von Neuronen und auch Glia-Zellen entwickelt wurde, die im Wesentlichen normal funktionieren. Dies zeigte, dass die genetische VerĂ€nderung keine signifikanten Auswirkungen auf die FĂ€higkeit der Zellen hatte, zu ĂŒberleben, sich in verschiedene Arten von Gehirnzellen umzuwandeln und die Verbindungen zwischen Zellen zu bilden, die fĂŒr die Gehirnfunktion entscheidend sind.

DarĂŒber hinaus zeigte die Analyse des Autophagie-Stoffwechsels, dass dieser bei den betroffenen Zellen im Vergleich zu den Kontrollpersonen nicht richtig funktionierte. Dieser Befund bestĂ€tigte, dass das iPSC-Modell das wiedergeben kann, was in anderen Zell- und Tiermodellen beobachtet wurde, und zeigt seine NĂŒtzlichkeit als prĂ€klinisches Modell zum VerstĂ€ndnis der Auswirkungen von BPAN auf die Gehirnfunktion. Obwohl Lockhart nicht in der Lage war, weitere Studien durchzufĂŒhren, konnte seine Gruppe nachweisen, dass Rapamycin, ein von der FDA zugelassenes Medikament, die Autophagie-AktivitĂ€t in dem Modell steigern kann.
Dieses prĂ€klinische „Gehirnzellen“-Modell von BPAN ist wichtig, so Lockhart, weil es „bedeutet, dass wir die Gehirnzelltypen erzeugen können, die bei Personen mit BPAN spezifisch betroffen sind. Dazu gehören kortikale Neuronen, die fĂŒr die kognitive Funktion wichtig sind, und dopaminerge Neuronen, die fĂŒr die Bewegung wichtig sind“.

Lockhart plant, seine Ergebnisse zu veröffentlichen und wird ein Medikamentenscreening durchfĂŒhren, sobald die Finanzierung gesichert ist.

Übersetzung des Originalartikels von Patricia Wood aus dem September-Newsletter der NBIA DA:
https://www.nbiadisorders.org/images/newsletters/NBIA_Disorders_Association_September_2023_Newsletter.pdf

Abonnieren Sie unseren Hoffnungsbaum-Newsletter!

Mit unseren Newsletter-E-Mails erhalten Sie wertvolle Informationen rund um NBIA. Wenn Sie neben dem allgemeinen Newsletter zusĂ€tzliche Infos zu einzelnen NBIA-Varianten oder spezielle Infos fĂŒr Forscher/Kliniker abonnieren wollen, klicken Sie bitte hier: ZusĂ€tzliche Infos abonnieren

Datenschutz

Du hast dich erfolgreich angemeldet!