Als Hoffnungsbaum-Vertreter beim Autophagie-Kongress in New York

von | 29. Oktober 2019

 Photo: DWIH New York – ARDA Workshop 2019

Während der Konferenz zur Autophagie im September in Tübingen wurde ich von Prof. Christian Behl, dem Leiter des Instituts für Pathobiochemie der Universität Mainz zu einem Workshop am 24. Oktober 2019 nach New York eingeladen.
Dieses Meeting mit dem Titel „Alzheimer’s, Related Disorders and Autophagy“ hat zum ersten Mal herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und den USA auf den Feldern der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Huntington und ALS zusammengebracht, um sich über Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Syndrome auszutauschen. Dabei wurde insbesondere der Zellprozess der Autophagie ins Visier genommen, der für viele dieser Krankheiten eine maßgebliche Rolle spielen dürfte.

Dieser recht neue Ansatz wird beschritten, weil selbst nach vielen Jahren der Forschung die bisherigen Versuche zur Bekämpfung dieser Erkrankungen größtenteils erfolglos blieben. Ein weiterer Grund ist, dass es oft bereits Erkenntnisse zu gewissen Aspekten einer Erkrankung gibt, die aber in anderen Forschungsfeldern erzielt wurden und von denen die Forscher aus den benachbarten Fachbereichen kaum etwas wissen. Das gilt sicher auch für NBIA und BPAN, wenn man in die Forschung zu anderen neurodegenerativen Erkrankungen und zur Autophagie schaut.

Herr Behl hatte mich eingeladen, um über eine neurodegenerative Erkrankung zu informieren, die nicht altersbedingt, sondern durch einen Gendefekt ausgelöst wird. Unter den NBIA-Varianten gibt es einige, in denen die Autophagie gestört ist. Darunter fällt beispielsweise BPAN. Aber auch bei MPAN wird ein Zusammenhang zur Autophagie vermutet. Als Vater einer Tochter mit BPAN war das natürlich eine großartige Gelegenheit, Neues über die aktuellen Forschungsfortschritte zu lernen, aber auch um neue Kontakte zu knüpfen. So ergab es sich, dass ich dort auf Sarah Chisholm traf, Mutter einer Tochter mit BPAN und energische Aktivistin, die die Initiative „BPAN Warriors“ in den USA gegründet hat.

Der eintägige Workshop bestand aus 14 Vorträgen und viel Raum für Diskussion. Wie zu erwarten war, habe ich bei weitem nicht alles verstanden, dennoch konnte ich einige auch für Hoffnungsbaum und NBIA interessante Details aufgreifen. So gibt es neben der Autophagie auch eine Mitophagie. Während die Autophagie generell funktionslose und schädliche Zellbausteine identifiziert, einfängt und in ihre Bausteine aufspaltet, fokussiert sich die Mitophagie auf die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen. Spezielle Rezeptoren unterscheiden zwischen kranken und gesunden Mitochondrien. Beide Prozesse spielen sich in unterschiedlichen Bereichen der Hirnzellen ab.

Weiterhin wurde erwähnt, dass eine Fehlfunktion der Autophagie zu einem Überschuss an Kalzium in den Hirnzellen führen kann. Das macht sie empfindlicher für elektrische Reize, was eine Ursache für Epilepsie darstellen könnte. In Laborversuchen konnte gezeigt werden, dass Kalziumblocker die Reizbarkeit dieser Zellen normalisieren können. Ein Ergebnis war besonders spannend, da es offenbar bei genetischen Mutationen sogenanntes „Übersprechen (engl. crosstalk)“ auf andere Körperfunktionen jenseits der von dem Gen direkt gesteuerten Vorgänge und der Krankheitssyndrome gibt. So gibt es eindeutige Hinweise darauf, dass im Zusammenhang mit einer gestörten Autophagie der Geruchssinn verändert wird – zumindest bei Fadenwürmern. Andere Beeinträchtigungen sind nicht ausgeschlossen.

Einige Vorträge befassten sich mit klinischen Anwendungen und Studien. So zeigte sich, dass Studien zur Behandlung von Alzheimer auch scheitern, weil die zuvor definierten Erfolgskriterien (klinische Endpunkte) nicht erreicht wurden. Eine wichtige Lehre aus diesen Versuchen ist, bei frühen Verlaufsformen einer Erkrankung anzusetzen und möglichst diverse Untergruppen in die Studie einzubeziehen. Dafür ist ein aussagekräftiges Patientenregister mit möglichst vielen Fällen unerlässlich. Dies gilt auch für die NBIA-Erkrankungen, für die es bereits ein internationales NBIA-Patientenregister gibt.

Mit einem Kurzvortrag konnte ich schließlich auf die Arbeit von Hoffnungsbaum e.V. sowie auf NBIA und BPAN hinweisen. Dieser Beitrag stieß auf großes Interesse. Anschließend sprachen mich mehrere Teilnehmer an und gaben mir Tipps für hilfreiche Kontakte oder für strategische Ansätze zur Entwicklung von Therapien.

Der Workshop schloss mit einer 90-minütigen öffentlichen Veranstaltung. Neben drei allgemeinverständlichen Vorträgen bestand sie aus einer Podiumsdiskussion, an der ich als einziger Vertreter einer Patientenorganisation teilnahm. Die Diskussion teilte sich in einen moderierten Abschnitt mit konkreten Fragen sowie eine öffentliche Fragerunde auf. Hier konnte ich offenbar eindrücklich die Notwendigkeit von Patientenorganisationen wie Hoffnungsbaum als auch den Verlauf von BPAN schildern. Prof. Behl bescheinigte mir, dass mein Beitrag sehr wichtig gewesen sei. Unser Kontakt wird auch Zukunft bestehen bleiben.

Insgesamt war der kurze Ausflug nach New York erfolgreich. Ich konnte viele neue Eindrücke über Details der Autophagie gewinnen und einige interessante Kontakte generieren, die uns sicher auch in der Zukunft hilfreich sein könnten.

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